week 3: sports bulletin

Veröffentlicht auf von Florian Kemmer

Letzte Woche ging es recht sportlich zu. Am Montag war ich joggen und fand einen Weg zum nahe gelegenen Fluß, wo das Laufen ein bißchen an meine ehemalige Hausstrecke Wü – Randersacker erinnert. Schöne Landschaft, fast ein bißchen malerisch. Am Dienstag war ich zum ersten Mal beim Fußballtraining des Milton FC. Die Anlage ist sehr groß, was einem leider nichts nützt, wenn es dunkel ist und man nur zwei Scheinwerfer hat. Das Training bestand neben Aufwärmen und Dehnen eigentlich nur aus sprints, die immerhin mit dem Ball und in einer Wettkampfform verpackt waren. Aus pädagogischer Sicht gab es dafür Pluspunkte. Das Training war hart und hat nicht immer Spaß gemacht, aber ich glaube es hat etwas gebracht.

Am Donnerstag hielt ich mein erstes Training bei den Handballern. (Cambridge Handball Club) Carl, der sich um alles kümmert was die Handballer betrifft hatte mich eine Woche zuvor darum gebeten. Das Training vor zwei Wochen war etwas chaotisch: 40 Leute in einer viel zu kleinen Halle machen ein geordnetes Training schwer. Ich versuchte es trotzdem, Schwerpunkt: geordnete zweite Welle mit langem Kreuz. Eigentlich ist das nicht so schwer, es hat einmal geklappt und wurde danach nicht mehr gespielt. Grund: entzieht sich meiner Kenntnis. Die Handballer hier sind ein geiler und sau bunter Haufen: Man findet Spieler aller Könnensstufen, vom Exprofi Francisco bis zum blutigen Beginner ist alles vorhanden. Und es geht sehr international zu. Wir haben zwei Spanier, zwei Franzosen, zwei Polen, einen Portugiesen, einen Türken, drei Deutsche, Ben kommt aus Hong Kong,  es ist echt ein bunter Haufen. Gerne würde ich jetzt schreiben, alle sprechen die gleiche Sprache: Handball. Aber das stimmt leider nicht, die Kommunikation ist nicht immer ganz einfach. Das Training am Donnerstag war o.k., auch wenn die zweite Welle nicht geklappt hat.

Gestern kam ich zu meinem ersten Fußball-Einsatz seit über einem Jahr, ich durfte für die dritte Mannschaft von Milton spielen. Die Dritte, das klingt jetzt fürchterlich schlecht, weil man immer denkt, oh man, da gibt es ja noch zwei Teams drüber. Das stimmt auch, es gibt aber auch noch ein paar Teams drunter. Meine Mannschaft war jedenfalls unglaublich lässig, aufwärmen wie früher in Giebelstadt: ein Feldspieler ins Tor, und ballern. Dann ein paar lange Pässe, zwei Spieler haben tatsächlich unmittelbar vor sowie zwischen dem Spiel geraucht. Als es allerdings losging, zeigte sich schnell, dass ich ganz gut zu dem Team passe: sind die technischen Mittel limitiert, muß geackert werden. Das hat gut geklappt. Wir haben ein dummes Gegentor bekommen, aber waren eigentlich ebenwürdig. Ich habe im linken Mittelfeld gespielt und wurde in der 70. ausgewechselt, was völlig in Ordnung war da platt. Schließlich klingelte es ein zweites Mal, was unsere Niederlage besiegelte. Im Gegensatz zum Handball spielen hier fast nur Engländer, und ich verstehe sehr wenig, da alle ein wenig Akzent und Dialekt sprechen. Beeindruckend war, dass, obwohl ich mit keinem mehr als drei Sätze gewechselt habe, ich das Gefühl hatte, nächste Woche wieder ein gern gesehner Spieler zu sein. Als ich die Kabine verließ fragte mich der Trainer nach meiner Handynummer und die Spieler bedachten mich mit ein paar freundlichen Worten. (see ya next week!) Die Anmeldung (registration) für die Runde kostete mich 20Pfund, pro Spiel werden noch mal zwei Pfund eingesammelt.

Heute stand dann Handball auf dem Programm. Wojciech holte mich um halb acht ab, und wir fuhren zu Carl. Dort trafen wir den Rest des Teams. Wir fuhren nach London (Leyton) und passierten sogar die Stätten der olympischen Spiele, die natürlich noch Baustellen sind. Carl ließ mich als Coach registrieren. Auf der Fahrt baute ich mit Jürgen die erste Sieben, und versuchte mir alle Namen zu merken. Ich fragte die meisten Spieler nach ihren Lieblingspositionen. Das Spiel selbst ist super gelaufen. Wir haben einen Halbzeitrückstand in einen souveränen 26:18-Erfolg umgemünzt. Natürlich wird in Englands einziger Liga ordentlich geharzt, natürlich war an mein schönes langes Kreuz trotz vorheriger Erinnerung nicht zu denken. Aber wir haben ein paar wirklich gute Jungs dabei („Die können alle Handball spielen“ O-Ton C. Kolenda) Am auffäligsten: Alberto. Seines Zeichens Spanier, spielt seit einem Jahr Handball. Alberto hat so lange Haare, dass er sich einen Zopf flechten kann, der immer noch einen Meter lang ist. Auch sein Gesicht ist von üppigem Haarwuchs bedeckt, ebenso verhüllen Tattoos seinen rechten Arm. Er ist 1,95m groß, hat einen Wurf wie ein Pflock („Er trägt eine Kanone auf seiner Schulter“ Schmitt nach Sedarusic) aber er weiß nicht so recht, wie er beides verwenden soll. Heute hatte er immer Probleme, wenn diese kleinen Wusler so schnell vor ihm standen. Am Donnerstag bringe ich ihm einen Überzieher bei. Und eine Freiwurf mit drei Mann. Das wird ein Spaß…    

Beides, Fußball gestern und Handball heute hat sehr viel Spaß gemacht, ich lerne neue Leute hier kennen und mag sie.

Was die Schule angeht habe ich mit meiner L6 über Deutschland geredet, wir haben uns eine  Imagefilm über Deutschland angesehen. Mit der U6 habe ich über Atomenergie geredet und so total wichtige Vokabeln wie „Kernschmelze“ an mein Whiteboard geschriebn. Irgendwie ist Sprache etwas herrliches: Der Kern, z.B. ein Apfel hat ein Kern. Schülerin: die Erde hat auch einen Kern? Ja. Und zu schmelzen, z.B. Schnee schmilzt, wenn es warm ist, oder ein Eis. Ahh, die Sonne scheint und der Kern schmilzt? 

 

http://www.land-der-ideen.de/CDA/die_initiative,14,0,,de.html
(dann auf den Film rechts klicken - direkter Link geht nicht)

 

 

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