Auf der Suche nach Deutschland...

Veröffentlicht auf von Florian Kemmer

Mein Klo war bisher eine Einrichtung, die mir Rätsel aufgab. Also eigentlich nicht das Klo, sondern die Spühlung um genau zu sein. Entgegen deutschen Klospühlungen befindet sich der Schalter für die Spühlung nicht auf dem Spühlkasten, und er muss auch nicht eingedrückt werden, es handelt sich viel mehr um einen Hebel aus Metal, der am Spühlkasten angebracht ist. Ich habe den Hebel nach unten gedrückt, aber bisher war es eher Glückssache, ob die Spühlung auch gespühlt hat oder nur ein bischen Wasser gekommen ist. Meistens habe ich dann gleich nochmal gespühlt, manchmal hat es dann geklappt, manchmal nicht. Nun gut...
Den Montag habe ich damit verbracht, mein eigenes Zimmer zu putzen. Klar, die Schubläden und Fächer in meinem Zimmer waren leer, aber es gibt eben einen Unterschied zwischen leer und sauber. Also wurde abgewischt, Spiegel und Fenster geputzt, und leider fielen meinem Putzwimmel auch ersten unbestätigten Angaben zu Folge mehrere Spinnen zum Opfer. Ich weiß jetzt auch, das vorher ein brünettes Mädchen in meinem Zimmer gewohnt hat, in die zumindet irgendjemand verliebt war. Ich fand mehrere Haare, und unter dem Bed neben zwei Kugelschreibern einen kleinen Zettel mit Linien. Aufschrift: "I love you XXX" Vielleicht war sie auch die Geliebte von triple X. Also mein Zimmer ist jetzt relativ sauber, morgen geht es mit dem Bad weiter.
Am Dienstag bin ich mit dem Bus nach London gefahren, um eine Veranstaltung des Goethe-Instituts für FLAs (Foreign Language Assistants) zu besuchen. Nun ja, der informationsgehalt hielt sich in Grenzen. Neben der Vorstellung der UK-german-connection und einer weitern Organisation (cilt) wurden wir ein wenig über Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung informiert. Dafür war der Tag relativ unterhaltsam. Ich habe schon frühs Duffi, ein Kommilitone aus Würzburg getroffen, der in Ipswich arbeitet. Also sind wir da zusammen hin marschiert. Der Höhepunkt war eigentlich, dass FLAs für ein Projekt gesucht werden, bei dem Fußball und deutsch-lernen verbunden werden soll. (Double club) Duffi und ich haben uns für dieses Projekt gemeldet, bin mal gespannt, ob man auf uns zurück kommt.
Am Mittewoch begann dann meine eigentliche Arbeit. Ich habe einen kleinen Raum, in dem die "deutsche Konversationsklasse" stattfindet. Also kommen je nach Stundenplan zwei, drei oder vier Schüler zu mir. Meine Hauptaufgabe besteht darin, diese zum deutsch-sprechen zu animieren. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich es dabei echt super erwischt habe. Ich muss nicht maßregeln, ich muss nicht ermahnen, ich muss nicht bei fast null anfangen. Meine Schüler konnen schon relativ gut deutsch, sie sind motiviert. Einzig ein bischen scheu sind die meisten, worin meine Herausforderung besteht. Denn wenn sie mal reden, ist es meistens echt gut. Die Suche nach Deutschland bestand darin, dass die Schüler miteinander auf deutsch sprechen sollten um sich anschließend gegenseitig auf deutsch vorzustellen. Eine Kategorie: wenn ich "Deutschland" höre, denke ich...natürlich denken viele an Bratwurst, Schnitzel und Bier, an die Alpen und Berge, aber es gab auch Antworten wie Gustav Klimt, Wim Wenders und liberal...eine weitere Kategorie war "auf eine einsame Insel..."
Duffi und ich beschlossen am Dienstag das "Spiel der Jahrhunderts" Deutschland-Russland zusammen anzuschauen. Also rief ich am Fr. in einem Pub an, wo mir versichert wurde, es würde gezeigt werden. Duffi kam also zu mir, und wir machten uns auf den Weg zum Pub, wo wir erfahren mussten, dass das Spiel doch nicht gezeigt werden kann, weil es nicht im free-tv läuft. Eine in deutschland handelsübliche premiereoderskysportsbar suchten wir vergebens, dafür waren wir in einem snooker-club, wo man uns sagte, man werde auf keinen Fall Deutschland anschauen, weil grade ein Spieler des Clubs in Fernsehen käme. Also zurück nach Milton, wo die Suche nach Deutschlan weiter ging. Da die ARD aus urheberrechtlichen Gründen das Spiel nur in Deutschland "streamen" also im Internet zeigen durfte, darf ich aus urheberrechtlichen Gründen auch nicht sagen, wie wir an das Spiel gekommen sind, nach einigem Basteln bekamen wir jedoch Bela Rety (o.s.ä.) zu hören und just in diesem Moment Miro Kloses salto zu sehen. Bier holen in der Halbzeitpause, im Anschluss mehr Bier in einem pub, in dem eigentlich die Cambirdge-Handballmannschaft sein sollte. Und noch ein Bier im Revolution. Im Pub trafen wir erfreulicher Weise Antonia, und ihre Kolleginnen, mit denen ich auch schon in der woche zuvor sowie am Freitag einen sehr schönen Abend verbracht habe und hatte. Antonia sagta mir am Abend, dass sie im gleichen pub war und das Spiel doch gezeigt wurde. Und Duffi, der bei mir übernachtete, zeigte mir, wie meine Klospühlung funktioniert. Es ist eher eine Art Kurbel. Man muss den Hebel schnell nacheinander nach unten drücken, und schon spühlt das Klo.
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