Von nackten Störchen ...
Der vergangene Freitag war der erste „letzte Schultag vor den Ferien“ für mich als Lehrer. Das mußte natürlich gefeiert werden. Am Abend traf ich mich mit meinen beiden Kolleginnen Sophia (Spanien) und Gaelle (Frankreich). Gaelle wurde von ihrer besten Freundin Marie besucht. Schließlich gesellte sich Maries – sie war vor zwei Jahren hier als FLA –Ex-Mitbewohner zu uns. Wir gingen zuerst in einen pub, wo ich gleich mal zwei Handballer traf, Alberto und Ivan. Nach dem pub (the eagle) hat es uns in einen anderen Laden verschlagen, eine Mischung aus club und pub. Es kostete keinen Eintritt und hatte sowohl Tische und Stühle als auch eine Tanzfläche. Auf der Tanzfläche fragte mich ein junger Mann, dessen Kumpel sich grade an Marie ran machte, ob sie meine Freundin sei. Nur um Mißverständnisse und Ärger zu vermeiden. Als ich den Laden („the regal wetherspoon“) verließ, machte ich mich auf die Suche nach dem ominösen Nachtbus. Und tatsächlich kam er! Leider gibt es für meine Linie keinen Nachtbus, so dass ich mit der Nachbarlinie fahren muß. Dann bleiben immer noch zwei, zweieinhalb Kilometer Wegstrecke, aber immerhin besser als fünf Kilometer zu Fuß. Beim Ausgehen wird hier sehr schnell deutlich, dass die englischen Mädchen und Frauen zwei Eigenschaften nicht besitzen. Zum einen haben sie kein Kälteempfinden. Als ich mich gestern fröstelnd in meine Lederjacke gekuschelt habe, sind äußerst leicht bekleidete Damen mit verschränkten Armen an mir vorbei gelaufen. Wenn man nur die Bilder sehen würde, man könnte fast glauben man befände sich am Ballermann oder irgendwo sonst, wo es auch nachts angenehm warm ist. Zum zweiten lassen sie für mich den guten Geschmack vermissen. Es sieht immer ein bißchen aus wie gewollt, aber nicht gekonnt, oder ist einfach too much. Besser gesagt too little, denn die Röcke sind zu kurz, und die Absätze zu hoch. Und oft wirkt dass dann übertrieben, einfach overdressed. Auf der anderen Seite stapfen hier alle Mädels wie äußerst spärliche bekleidete Störche durch den Salat, von dem her paßt das Bild dann wieder. Für deutsche Augen ist es jedenfalls gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt ansehnlich. Der Tag gestern bestand hauptsächlich aus unserem Auswärtsspiel beim Tabellenführer Chatteris, wo es eine 7:2 Klatsche gesetzt hat. Ich fand mich auf der Bank wieder, besser gesagt an der Seitenlinie mit Fähnchen. Hab gleich mal eine Abseitsposition des Gegners angezeigt, neee, war echt abseits. Das Spiel gestern war ein ziemlich trostloses Gekicke und hat bei meinem Zutun auch nicht wirklich Spaß gemacht. Es hat sich so angefühlt, als wären die anderen ein, zwei Spieler mehr. Und immer wenn ich sah, dass wir den Ball hatten, und ich in den freien Raum gelaufen war, drehte ich mich um, um festzustellen, dass wir den Ball nicht mehr haben. Dafür war mein Gegenspieler jetzt gefühlte Lichtjahre von mir entfernt.
Heute war wieder Handball angesagt. Nach ordentlicher erster Halbzeit (10:4) haben wir einen zeimlichen Mist abgeliefert. Zwar haben wir das Ding noch mit zwei gewonnnen (ich weiß nicht mal wie), aber das war heute auch das einzig positive. Immerhin: schlecht spielen und gewinnen, das ist die Kunst!
Am Donnerstag kommt Vroni hier an, worauf ich mich sehr freue. Auch wenn es nicht so einfach wird, ihr England schmackhaft zu machen, ich habe mich bewaffnet. Am Freitag war ich in der Bücherei von Cambridge und habe mir kostenlos folgende Bücher ausgeliehen:
Von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben
London e>>guide
Walking London
Quick & easy (KOCHEN!)
How to cook: foolproof recipes & easy techniques
Welche der Bücher am hilfreichsten waren, werde ich euch nächste Woche berichten.