I want to ride my bicycle…

Veröffentlicht auf von Florian Kemmer

Die Erfindung des Fahrrads muss ein gewaltiger Milenstein in der Geschichte der Menschheit gewesen sein. Um von Cambridge nach Hause zu laufen, brauche ich nervige 50 Minuten, mit meinem brandneuen Fahrrad schaffe ich es weit unter der Hälfte.

Mein neues Rad ist mir mehr oder weniger zugelaufen. Auf meinem Arbeitsweg muß ich durch einen kleinen Park hinter dem Haus, da liegen schon länger einige Wrackteile von Fahrrädern. Letzte Woche dann ist es geschehen, und es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Es lag einfach so da, und blickte mich seinen traurigen Welpenaugen an. Doch trotz meiner emotionalen Wallungen konnte ich mich nicht gleich durchringen, es mit nach Hause zu nehmen. Zu groß war meine Furcht, es könnte jemand anderen gehören. Nach drei Tagen flehenden Bettelns gab ich der Versuchung nach und brachte es nach Hause. Dort stand es bis heute, als ich eine erste Bestansaufnahme wagte. Der Vorderreifen war intakt, der Hinterreifen platt, und zwar sowohl Schlauch als auch Reifen. Kette und Schaltung machten einen passablen Eindruck, ganzer Stolz ist die Federgablung. Also begab ich mich in unserem Haus auf die Suche nach Werkzug, und fand ein komplettes Ersatzteillager. Wir haben Ersatzräder und Schläuche im Schuppen hinter dem Haus, Flickzeug, Rahmen, alles was das Herz begehrt. Nach zwei Stunden werkelns war es dann soweit. Jungfernfahrt: bestanden. Also machte ich mich auf in die Stadt, um mit Antonia und Sofi das Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung in Cambridge zu verfolgen. Das war so spannend wie es klingt. Sehr viel spannender war das pubquiz, wohin ich Antonia erstmals dank Fahrrad begleiten konnte. In einem Pub werden in fünf Runden jeweils zehn Fragen gestellt, die Teilnehmer kontrollieren sich gegenseitig und trinken dabei Bier.

Ansonsten war die Woche relativ normal. Dienstag zeigte mir ein 16-jähriger meine Grenzen beim Fußball auf, außerdem habe ich  mit zwei Schülern von mir am Dienstag einen podcast erstellt, den ich hier evtl. mal reinstellen werde. Außerdem hatte ich diese Woche meine Einführung in den kostenlosen Fitnessraum der Schule. Alles was man braucht ist da, also habe ich mal ein bischen begonnen, im Sommer verlorenen Boden wieder gut zu machen.

Freitag war ich zunächst in einem anderen Supermarkt (ASDA), der mit ganz gut gefallen hat. Problem: Ich mußte meine Einkäufe bei Regen nach Hause schleppen, wofür ich gefühlte zwei Stunden gebraucht habe. Am Abend nahm mich Sofi zu einer Feier einiger Spanier mit. Ein sehr netter Abend. Während die Herren im Wohnzimmer Bier trinken, machen die Damen in der Küche Essen. So gegen 23.30 Uhr war das dann auch fertig, es gab unter anderem ein spanisches Omelette. Danach servierten die Damen selbstgemachten und sau leckeren Mojito, mit Sicherheit der beste den ich je getrunken habe. (ist aber auch nicht schwer, da es noch nicht allzu viele waren) Als nach einer süßen Nahspeise (brownies – nennen sogar die Spanier so) die Völlerei beendet war, ging es in die Disco (the castle) zum Tanzen. Um 2.15 Uhr brachte mich der Nachtbus ein letztes Mal grob nach Hause – in Zukunft wird das mein brandneues Fahrrad tun.

 

Tief betroffen hat mich die Nachricht vom Tode Robert Enkes. Ich ziehe meinen Hut vor seiner Frau für diese Pressekonferenz. Wie so viele andere läßt Robert mich mit vielen Fragen und wenig Antworten zurück. Ohne irgendeine Bewertung ziehe ich persönlich daraus die Erkenntnis, dass dieses Leben schön und lebenswert, seine Mitmenschen einzigartig und liebenswert sind. Vielleicht sollten wir uns alle das einfach ein bißchen öfter sagen.             

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