Tuesday, 1. june 2010 2 01 /06 /Juni /2010 14:00

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Ende einer WG-Ära: Dan, Amy, Flo, Suzan 

 

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Abschiedstorte meiner Handballer

 

 

Noch einmal hatten sich einige Auserwählte der Handballer, meine Assistentenkolleginnen, andere Freunde sowie meine Mitbewohner im Ta Bouche in Cambridge getroffen, um einerseits den Geburtstag meiner Ex-Mitbewohnerin Suzan und andererseits meinen Abschied zu feiern. Es war ein sehr schöner Abend und ein passender, würdiger Abschluss. Ich verließ die Feier um zwölf, um Thorsten vor unserem Haus zu treffen. Um 00.40 Uhr machten wir uns mit seinem voll beladenen Pkw auf den Weg Richtung Dover. Wir erreichten es um 3.00 Uhr, und konnten glücklicher Weise eine Fähre eher nehmen und mussten nicht bis 5.55Uhr auf unsere Fähre warten. Um 5.00 Uhr MESZ hatten wir Calais erreicht, da lagen nur noch 715 km vor uns! Dass Thorsten ein Spitzenkoch ist, habe ich an anderer Stelle schon erwähnt, er scheint aber auch Husar zu sein. Neben dem Stündchen auf der Fähre machten wir irgendwo im herrlichen Belgien nochmal ein Stop, ansonsten manövrierte Thorsten uns sicher und schnell durch England, Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland. Nach 909 km, fünf Ländern und 13 Stunden erreichten wir Würzburg. Hut ab und vielen Dank!

Neun Monate England sind vorüber. Eine der spannendsten Erfahrungen meines Lebens ist soeben zu Ende gegangen. Ich bin sehr an ihr gewachsen, sprachlich, aber vor allem menschlich.

Ich habe aber nicht nur einiges über mich selbst, sondern vor allem über mein Gastland gelernt. Der deutlichste Unterschied sind meiner Meinung nach die Menschen, die hier einfach viel freundlicher miteinander umgehen. Das fängt beim banalen „Wie geht’s?“, einer absoluten Standardfloskel an, geht über ein „Dankeschön“ an den Busfahrer bis zu echter Hilfe für den Nächsten. Sicher, in Deutschland hilft man sich auch, mir scheint es allerdings, als würden wir manchmal einfach vergessen, ein wenig freundlicher miteinander umzugehen. Hier ist jeder gleich ein Kumpel, und wenn man sich anrempelt auf der Straße, entschuldigen sich beide. Beiden geht es danach besser, in Deutschland wird diese Situation oft wortlos übergangen.

Ich hatte, bedingt durch Handball und meine durch Assistenten geprägte Clique sehr viel mit anderen Menschen aus Spanien, Frankreich, Ungarn oder Polen zu tun. Es waren durchweg positive Erfahrungen, die gezeigt haben, wir ähnlich sich die Europäer eigentlich sind. Diese Erfahrungen lassen mich eine weitere Vereinigung Europas auf jeden Fall befürworten.

Sicher, es kann sein, dass dieser und der nächste Punkt nicht unbedingt englandtypisch sind und durch das internationale Flair Cambridges bedingt zustande gekommen sind. Ich habe aber das Gefühl bekommen, dass die Gesellschaft eine offene Gesellschaft ist, mit weniger Vorurteilen gegenüber Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht. Jeder bekommt erst einmal eine Chance. Dann sehen wir weiter. Sportlich habe ich das erlebt, als ich praktisch über Nacht zum Trainer gemacht wurde bzw. ohne ein einziges Training in der Startaufstellung stand. Aber auch beruflich habe ich unglaublich viele Freiheiten erfahren, die die Zeit hier zu einem Erfolg gemacht haben. Überhaupt beruflich.

Es ist zu gut gelaufen. Diese Zeit kann leider nicht als Testlauf für spätere Aufgaben herangezogen werden. Die Schüler waren fleißig, sie haben nicht geschwätzt oder ähnliches, sie haben konzentriert mitgearbeitet. Diese Tätigkeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich bin stolz, an einer so tollen Schule gearbeitet zu haben.

Sportlich haben wir beim Handball das große Ziel „europäischer Wettbewerb“ knapp verfehlt mit dem vierten vierten Platz in Folge. Es war schlimm zu sehen, wie eine Mannschaft im Laufe einer Saison auseinanderfallen kann. Hatten wir im November 18 Spieler, so haben wir die letzten Spiele mit sieben, acht Mann bestritten.

Natürlich gibt es einige Dinge, auf die ich mich sehr freue. Eine abwechslungsreiche Landschaft mit blühenden Getreidefeldern und Weinbergen, ein frisch gegrilltes Steak wahlweise Bratwurst, und nicht Chips, die nach Bratwurst schmecken. Wenn ich eine Bratwurst möchte, möchte ich eine echte, und wenn ich Chips will, dann sollen die bitte nicht genauso schmecken! Dann natürlich unsere ganzen Festchen, vom Weindorf über die Weinfeste bis zu Kiliani. German Gemütlichkeit konnte man hier eher selten finden. Ich weiß, ich weiß, beim nächsten Punkt werden alle sagen: bei uns wars bisher auch schlecht! Aber ich habe die Hoffnung, dass wir in Deutschland mindestens noch ein paar richtige Sommertage abbekommen werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Deutschland einfach über ein ausgeprägteres Klima und stabilere Großwetterlagen verfügt. Man weiß, dass der Sommer und der Winter normalerweise kommen. Hier weiß man gar nichts, nur dass es IMMER WINDIG ist.Wären wir beim letzten Punkt: wer will schon in einem Land leben, dass zuletzt vor Urzeiten die WM gewonnen hat? In der Hoffnung auf ein Sommermärchen 2010...

 

Zum Schluss I: Es gab über die Zeit schätzungsweise zehn bis 15 Personen, die diesen Blog regelmäßig verfolgt haben. Vielen Dank! Es hat mich immer motiviert zu wissen, dass es auch von jemandem gelesen wird, sonst hätte ich es nicht geschrieben. Euch alles gute, und wer weiß, vielleicht sehen wir uns schneller, als man denkt!

 

Zum Schluss II: Irish Philosophy:

 

There are only 2 things to worry about
Either u r well or u r sick.

if u r well then there's nothing to worry about..
but if u r sick
There r 2 things to worry about

either u will get well or u will die
if u get well
there is nothing to worry about
if u die
There r 2 things to worry about

either u will go to heaven or hell
if u go to heaven there is nothing to worry about
but if u go to hell...

You'll be so busy shaking hands with friends
You won't have time to worry!

von Florian Kemmer
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Wednesday, 26. may 2010 3 26 /05 /Mai /2010 19:49

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Ausblick auf den Leuchtturm in Howth

 

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Das Ufer der Cam auf dem Weg nach Grantchester

 

 

Ich gehe in meine letzte Woche, und so langsam wirft der Abschied seine Schatten voraus. In der Schule haben mich meine Ex-Schüler mit Karten und Süßigkeiten bedacht, meine Noch-Kollegen haben heute ein kleines Buffet zu Ehren der scheidenden Assistenten veranstaltet. Alles sehr schön, und irgendwie schwingt doch ein wenig Wehmut mit bei dem Gedanken, alles in einer Woche hinter mir zu lassen.

Zu diesem Gefühl gesellt sich dann ein dicht gedrängter Terminplan mit dem einen oder anderen Highlight. Nach „Robin Hood“ am Freitag Abend nutzten Roxanne, Sofia und ich das sommerliche Wetter mit 25 Grad am Samstag für eine Wanderung entlang der Cam Richtung Grantchester. Am unberührten Flussufer sassen einige Leute und haben gegrillt, im Fluss gebadet oder einfach die Sonne genossen. Wir machten ein kleines Picknick, bevor wir wieder zurück gelaufen sind. Am Sonntag ging es mit dem wirklich allerletzten Aufgebot zum letzten Spiel der Saison nach Liverpool. Wir gewannen es und hofften auf die Schützenhilfe des Süd-Champions Great Dane gegen den Nord-Champion Manchester. Wir hatten Manchester im Nordern geschlagen und im Süden verloren, und waren somit auf fremde Hilfe angewiesen. Manchester siegte knapp und schnappte uns somit den begehrten dritten Platz vor der Nase weg.

Am Montag machte ich mich um 5.30 Uhr nach Dublin auf. Mit dem Zug erreichte ich Stansted und mit dem Flieger planmäßig Dublin. Dublin ist nicht so besonders groß, sodass man die meisten Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuss ablaufen kann. In wenigen Stunden besichtigte ich die Universität mit der Bibliothek, die das „book of kells“ enthält, die St. Patrick´s cathedral, die christchurch, das temple bar quarter, und schließlich das guiness storehouse. Am Nachmittag fuhr ich mit dem Bus in das nahegelegene Howth, ein kleines Örtchen direkt an der Küste. Der Himmel riss auf, und bei strahlendem Sonnenschein genoss ich den Sandstrand, den wundervollen Ausblick auf das Ireland´s eye, und einen auf Felsen vorgelagerten Leuchtturm. Die Häuser waren sehr schön und ordentlich. Ein herrlicher Ort! Dann ging es mit dem Bus zurück nach Dublin, dann zum Flughafen, von Stansted mit dem Bus nach Cambridge und um 2.30 Uhr und nach 21 Stunden lag ich erschöpft aber glücklich im Bett. Es ist sehr merkwürdig, in einem englischsprachigen Land mit dem Euro zu bezahlen, und es war sehr ungewohnt, Euro aus dem Automaten zu bekommen. Dazu hat Dublin eine weitere Besonderheit: wenn man auf eine Fußgängerampel drückt, so ertönt ein seltsames Geräusch, wenn die Ampel grün wird. Es klingt ein bischen so, als würde jemand den Rasenmäher anschmeißen. Ich habe mich nicht nur einmal umgedreht. Alles in allem: super Stadt mit schönem Flair, die auf jeden Fall eine Reise wert ist!

Am Freitag ist dann also mein letzter Arbeitstag. In der Schüle spiele ich mit den Upper 6 „Wer bin ich?“ Highlight bisher: ein Schüler hat doch tatsächlich „Josef Fritzl“ auf die Karte seiner Mitschülerin geschrieben. British humor at its best! Am Samstag werden wir das Eurovision Songcontest Finale zusammen ansehen, und jeder sollte etwas zu Essen aus seinem Heimatland mitbringen. Ich habe mit Bratwurst und Sauerkraut gedroht, werde die Drohung aber wohl leider nicht wahr machen können. Sonntag dann Abschiedsfeier, und Abfahrt mit Duffi nach Dover.

Nächste Woche dann das ultimative England-Fazit!

von Florian Kemmer
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Monday, 17. may 2010 1 17 /05 /Mai /2010 23:09

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Die schuleigene Bücherei hält so manche Überraschung bereit. Als ich letzte Woche mal wieder die reichhaltigen DVDs durchstöberte, kam die Dame vom Ausleih auf mich zu und hielt mir „Avatar“ unter die Nase mit der Bemerkung, ich könnte ihn ja vielleicht sehen wollen. „Avatar“ ist hier gerade in den Verkauf gekommen, da wundert es dann schon, das die Schule den schon verleihen kann. Sei es drum, ich erwartete ob des offensichtlichen polts wenig bis gar nichts, muss aber sagen, dass der Film in 3D mit Sicherheit sehr ansehnlich war aufgrund er vielen Farben und Effekte. Er ist mit Sicherheit nicht der beste Film des Jahres, aber für den letzten Mittwoch war er genau richtig. Am Freitag feierte Luis seinen Geburtstag, weswegen wir uns alle im Teri Aki trafen um zusammen zu Essen. Ein sehr schöner Abend mit asiatischer Küche. Danach sind wir in den Hidden Room, wo ich zum ersten Mal war. Wenn es bei einer Disco die Treppe runter geht, muss ich irgendwie immer an das Labby denken. Der Laden war ziemlich sauber, leider auch ziemlich leer, was schade war, den die Musik (ich würde mal sagen 80er, aber eher so die unbekannten Sachen) war o.k. und wir mussten keinen Eintritt zahlen. Das einzige, was zu einem wirklich gelungenen Abend gefehlt hat, waren weitere Gäste. Scheinbar ist der Laden zu gut versteckt.

Am Samstag Morgen bin ich mit dem Zug nach London gefahren, um Duffi und Sedric zu treffen. Es war wohl der letzte London-Trip für längere Zeit, also Abschied von einer großartigen Stadt. Wir nutzten die Gelegenheit, um ein letztes Mal in London zu shoppen, ich habe prints eines englischen Grafitti-Künstlers („Banksy“) sowie – obligatorisch – ein Deutschlandtrikot gekauft. Mit 35 Pfund war das auf jeden Fall ein Schnäppchen. Natürlich waren wir nochmal am Covent Garden und in Camden sowie in der Oxford Street. Die WM wirft langsam ihre Schatten voraus, die ersten Briten zeigen Flagge. Es ist schön zu sehen, wie ein gesundes Verhältnis zu seinem Vaterland aussehen kann. Dieses gesunde Verhältnis zu meinem Vaterland würde ich gerne mit nach Hause nehmen. Deutschland, ein schönes Land um dort zu leben!

Am Sonntag sind wir um 9.00 Uhr nach Warrington (zwischen Liverpool und Leeds) aufgebrochen. Wir spielten das Halbfinale des „plate“. Wenn man die erste Halbzeit mit 10 (in Worten „zehn“) verliert, wird es immer schwer, ein Spiel zu gewinnen. Wir kamen zurück, verloren aber verdienter Maßen mit zwei. Es wird Zeit, dass diese lange Saison langsam endet, die Auflösungserscheinungen des Teams sind unübersehbar.

Kommender Sonntag ist dann auch das letzte Spiel, allerdings nochmal im Norden. Ansonsten werde ich wohl ins Kino gehen (Robin Hood) und nächsten Montag einen Tagesausflug nach Dublin machen – wenn mich der isländische Vulkan lässt. Blog dann wohl erst am Dienstag – Cheerio!

 

Ach, stop, einen hab ich noch: sich auf die Knochen blamieren: to blaime oneself to the bones

und: jemanden hinters Licht führen: to lead somebody behind the light

 

Zumindest bei ersterem sollte klar sein, in welchem Zusammenhang die phrase gefallen sein könnte ;-)

von Florian Kemmer
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Monday, 10. may 2010 1 10 /05 /Mai /2010 22:52

In meinen Vorstellungen des Frühlings in England sah ich mich selbst im T-Shirt bei Sonnenaufgang und bester Laune in die Schule radeln. Kalendarisch gesehen wäre es jetzt so langsam höchste Zeit dafür. Statt dessen sitze ich neben einer Heizung, die entweder volles Programm oder gar nicht läuft, wobei man bei letzterem tatsächlich friert. Mein einziger Trost ist die Tatsache, dass es in Deutschland wohl ähnlich kalt ist, wobei ich meine Informanten hier anzweifle, wenn ich an die Bundesligakonferenz denke, sahen die meisten Stadien nach Sonnenschein aus!

Nach dem wenig spannenden Wochenende letzte Woche beschloss ich kurzer Hand meinem wehrten Kollegen und Sterne-Koch Thorsten D. In Ipswich einen Besuch abzustatten. Als ich ankam, war Thorsten mit seinem Vermieter Bruce beim Kicken, so dass seine Lebensgefährtin Vicky und ihre Schwester Val mit Vals Kindern alleine im Haus waren. Als ich klopfte, wurde ich sehr freudig und überschwänglich empfangen, und bevor ich was sagen konnte, saß ich mit einem Bier und den beiden rauchenden und trinkenden Frauen gemütlich in Thorstens Hütte. Es entwickelte sich ein sehr netter Plausch über Gott und Welt. Schließlich kamen Thorsten und Bruce vom Fußball und gesellten sich zu uns. Bruce und Vicky verließen uns später, wobei uns Bruce noch mit auf den Weg gab, uns nicht allzu große Sorgen um das Haus zu machen.

(„F*** the house!“) Im Laufe des Abends kamen wie die Male zuvor aus allen Löchern irgendwelche Assistenten aus Österreich, Frankreich oder Deutschland, inklusive kleiner Zaubereinlage! Wie die Male zuvor war es ein sehr gemütlicher Abend, und es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dafür nach Ipswich zu fahren! Nach mehr oder weniger Ausschlafen am Samstag entschloss ich mich, meinen Bus um zwei Uhr mit 35 minütigem Aufenthalt in Stansted fahren zu lassen. Stattdessen gingen Thorsten und ich einkaufen, und Thorsten zauberte die wohl besten Käsespätzle meines Lebens mit selbstgemachten Spätzle! Dazu muss man wissen, dass Thorsten, seines Zeichens Schwabe, wohl der einzige Assistent im gesamten UK ist, der eine SPÄTZLEPRESSE dabei hat. Leider ging die dann auch noch in die Knie, es hat aber gerade noch gelangt, um uns beide + Val und ihre Kinder satt zu bekommen. Nach diesem Festmahl haben wir uns gemütlich Fußball angeschaut und ich bin dann mit dem Zug nach Cambridge zurückgefahren.

Am Sonntag stand das Rückspiel gegen Manchester auf dem Programm, das wir vor ein paar Wochen mit dem letzten Aufgebot knapp gewonnen hatten. Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass wir dieses Spiel gewinnen würden, und genau, dann geht sowas in die Hose. Nach 25 Minuten hat Manchester unseren einzigen etatmäßigen Rückraumspieler in Manndeckung genommen, so dass wir in der Folge mit vier Außenspielern + Kreis auskommen mussten. Ich habe lange gezaudert und mich nicht eingewechselt, weil es bis zur 50 Minute trotzdem nach Sieg aussah. In der 55. Minute war das Ding dann allerdings so gut wie verloren. Ich habe drei Dinge gelernt: 1. Hochmut kommt vor dem Fall, 2. vier Außenspieler können ein Spiel nicht gewinnen, 3.es ist verdammt schwer, ein spielender Trainer zu sein. Unsere Europachancen haben sich dramatisch verschlechtert. Was steht an? Am Freitag werden wir Louis´ Geburtstag feiern, am Sonntag werden wir, falls es noch Chancen auf Europa gibt, drei Stunden nach Liverpool fahren.

Die Wahl, ach ja, die Wahl! Hätte ich fast vergessen. Also erst mal verwundert einen Menschen vom Kontinent, wie man die Wahl an einem Donnerstag abhalten kann. Gut, die Wahllokale waren zwar bis 22.00 Uhr geöffnet, trotzdem konnten mehrere hundert Briten ihre Stimme nicht abgeben und wurden mosernd nach Hause geschickt - „Das läuft ja in Afghanistan besser!“ richtig, da will ja auch keiner wählen! Alle Briten, mit denen ich gesprochen habe, wünschen sich eine Koalition. Kann man sich das vorstellen? Wenn ich an das Gezänk unserer regierenden Wunschpartner denke (Stichwort Steuersenkungen) dann befällt mich großes Staunen. Ich jedenfalls könnte darauf verzichten. So oder so steht das Land mit einem Haushaltsdefizit in der Größenordnung Griechenlands vor harten Zeiten. Naja, was soll´s? Zur Not gibt es ein Rettungspaket aus Deutschland. Wenn ich diese Summen höre, 100 Milliarden Rettungsschirm, dann frage ich mich allerdings schon, woher dieses ganze Geld überhaupt kommt.

von Florian Kemmer
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Monday, 3. may 2010 1 03 /05 /Mai /2010 20:22

Antonia, die ich an dieser Stelle ja schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, hat Cambridge letzten Freitag vorzeitig Richtung Deutschland verlassen. Dies war der Grund dafür, dass ich mich letzten Mittwoch mit acht weiteren Assistenten im „Loch Fyne“ in Cambridge getroffen habe. Wir haben alle zusammen gegessen, und es war ein sehr schöner Abend, was nicht nur an meinem äußerst leckeren Fisch und dem äußerst süßen Cheesecake lag, sondern auch an der guten Stimmung an diesem Abend.

Am Donnerstag verabschiedete ich mich von meinen geliebten „A´s“. Unser letztes Spiel in dieser Runde und somit mein letztes Spiel für den ruhmreichen Milton F.C. Es sah nochmal richtig nach Fußball aus, endlich wurde mal flach gespielt. Und ich – mittlerweile zum „right back“, also rechter Außenverteidiger umfunktioniert – habe es am Ende sogar geschafft, ordentlich zu köpfen. Also sogar die richtig fiesen Dinger, die vom gegnerischen Torwart mit unglaublicher Wucht geschlagen werden. Ich bin sehr dankbar, dass ich in dieser Mannschaft spielen konnte. Zwar schwankte ich immer zwischen letztem Feldspieler und letzten Einwechselspieler, aber darum ging es nicht. Ich bin froh, diese Jungs kennengelernt zu haben, weil sie ehrlich im Sinne von aufrichtig und echt sind. Außerdem war ich oft dankbar, mir Samstags keine allzu großen Sorgen über meinen Tagesablauf machen zu müssen. Ausschlafen, ab zum Fußball.

Ansonsten war ich Samstag in der Stadt zum Bummeln und Sonntag um mich mit meinen beiden Kolleginnen Sofi und Roxanne zu treffen. Wir haben einfach ein bisschen gequatscht bei einer Tasse Kaffee. Heute ist in England ein Feiertag (bank holiday), was gleich mal für Fußball genutzt wurde. Unsere erste Mannschaft hatte das cup final erreicht, welches heute um 10.30 Uhr angepfiffen wurde. Wer sich jetzt über die Zeit wundert: ich habe auch erst gedacht, es ist sowas wie unser Toto-Pokal, aber bei uns gibt es ja nur einen Pokal. Hier in England gibt es fünf bis zehn verschiedene Pokale, und die ersten drei oder vier Finals fanden heute statt. In einem sehenswerten und torreichen Spiel hat Milton 5:3 gewonnen und sich den William Cockell Memorial Cup 2010 gesichert. Das Finale fand im nahegelegenen Histon statt, wohin ich mit dem Rad gefahren bin. Pünktlich zum Anpfiff traf ich dort ein, um festzustellen, dass ich nur noch zwei Pfund im Geldbeutel hatte anstelle der nötigen vier. Das kommt davon, wenn man immer alles mit Karte bezahlen kann und auch tut. Man hat nicht mal mehr vier Pfund bei sich, um zum Fußball zu gehen. Da ich leider keine Maschine für den bargeldlosen Zahlungsverkehr entdecken konnte, radelte ich notgedrungen zum nächsten Geldautomaten. Mit Geld bewaffnet erfuhr ich dann, dass es einen Studentenrabatt gibt. Eintritt: 2 Pfund!

von Florian Kemmer
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